Küste von Chile

An der chilenischen Küste Richtung Süden

Fuer einmal lehnten wir uns relaxed in den Zugsessel von Santiago nach Talca (ca 300km suedlich). Wegen einem schlimmen Unfall, mussten wir unterwegs den Zug noch wechseln. In Talca stiegen wir kurzentschlossen in den naechsten Zug zur Kueste nach Constitution. Diese Fahrt mit Diesellok war ein Erlebnis fuer sich. Wie in einem Schuettelbecher gings in einem sehr langsamen Tempo durch die schoene Landschaft.

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Im Gegensatz zu Santiago scheint hier die Zeit noch langsamer zu ticken. In einer familiaeren Unterkunft gings am Abend dann noch rund. Ein Lastwagenfahrer packte seine Gitarre aus, spielte "chilenische Volksmusik" und die andern Gaeste tanzten. Bis zu einer Singeinlage von uns war da alles im Programm.

Wir waren genug ausgeruht und richtig motiviert mit unser Bikes wieder weiterzuradeln. Unterwegs trafen wir dann wieder einmal andere Velofahrer - Pensionisten aus Amerika mit einem Tamdem. Eine Weile fuhren wir gemeinsam, dann machten wir aber bei unserem gemeinsamen Tagesziel Curanipe zum Nachtessen ab. Wir sind beeindruckt von den beiden, wie sie mit so viel Energie und ganz unkompliziert diese Strapazen auf sich nehmen!

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Von Curanipe aus waehlten Tobias und ich die Rute an der Kueste entlang - obwohl wir schon von deren schlechten Zustand gehoert hatten. Waere auch alles gut gegangen, wenn es nicht geregnet haette. Je laenger der Regen dauerte, umso schlammiger wurde es. Das fuehlte sich an, wie wenn man mit Platten fahren wuerde. Irgendwann kam noch Sand dazu und das ganze Gesaber vermengte sich zu Zement und die Raeder bliebens stecken. Es haette doch so schoen sein koennen, doch mit der bluehensten Phatasie konnte ich mir an diesem Tag keinen schoenen Veloausflug mehr vorgaukeln. Nicht einmal ein Pickup wollte unsere dreckigen Raeder (inkl. uns) auf sein Deck laden. Also gings halt im Schrittempo weiter bis nach Copquecura.

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Kaum angekommen, kam die Sonne und eine Seeloewenkolonie ueberraschte uns am Strand. Der Tag war gerettet.

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Zufaellig fang gerade an diesem Wochenende auch noch ein traditionelles Rodeo statt. Das liesen wir uns natuerlich nicht entgehen. Da gings noch zu wie im wilden Westen und wir fuehlten uns einige Jahre zurueckversetzt.

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Am naesten Tag ging dann wieder ins Landesinnere. Die Landschaft ist huegelig und die Aufstiege sind kraefteraubend. Wir sind froh, haben wir so "leicht" bepackte Velos!

Eine unerwartete Einladung und Ruhetag

Ein paar km vor unserem Tagesziel wollten wir uns vergewissern, dass wir auf dem richtigen Weg sind. So kamen wir am Strassenrand in's Gespraech mit einer sympatischen Familie. Spontan luden sie uns ein, bei ihnen im Landhaus zu uebernachten. Als naechstes wurden wir super bekocht und verbrachten eine lustigen Abend mit der Familie. Weils ihnen und uns so gut gefiel, blieben wir einfach einen Tag laenger. Wir schlemmerten non-stopp, machten einen Ausflug zu ihrem Weingut und bekochten sie mit Zuerigschnetzlets. Wir sind ueberwaeltigt von der Gastfreundschaft! Muchas Gracias a Walter y Clara!

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Einige anstrengende Tage

Damit wir einen saftigen Aufstieg umgehen koennten, hatte uns Walter empfohlen, doch auf der alten Zugstrecke entlang zu fahren. Der Weg sei sehr gut, alle Gleise und Holzschwellen entfernt und sogar Autos wuerden dort durchfahren. Die 8 km lange Strecke fuerhte an schoenen Sandstraenden vorbei, war aber alles andere als das, was wir erwartet hatten. Nein, Autos - und sind es noch so starke 4x4 - fahren dort sicher nicht durch. Anfangs, wars noch schoen und fahrbar, dann kam ein stockfinsteres Tunnel, durch das wir uns durchkaempfen mussten. Spaeter kam eine Bruecke, oder was davon noch uebrig war, wo wir unsere Velos und Gepaeck einzeln rueberbuckeln mussten. Dann konnten wir nur noch stossen oder ueber die Holzschwellen rattern. Das Gute - unsere Bikes machen alles problemlos mit!

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Die Weiterfahrt an der Kueste entlang war auch nicht so romantisch, wie man sich das vorstellt. Holz- und Papierindustrie verpesten die Luft. Lastwagen rasten mit hoher Frequenz und hohen Tempi an uns vorbei. Da haben wir manchmal geflucht! Das Fazit (nachdem wir ein Drecksloch von Unterkunft bezogen hatten) - nur noch ein gutes Essen konnte diesen Tag retten. Zum Glueck gelang das nach Plan.

Es konnte ja nur besser werden. Der Schwerverkehr nahm schon kurz nach Lota ab. Wir hatten uns fuer diesen Tag sehr viel vorgenommen, denn wir wollten am Lago Lanalhue campieren. Wir kamen voellig ausgepumpt an.

Im gleichen Takt gings weiter. 10 km lange Aufstiege, ueberraschen uns inzwischen auch nicht mehr. Es geht staendig nur noch auf und ab. Wegen der langen Mittagspause in einer italienischen Kolonie und der Hitze kamen wir erst bei Sonnenuntergang auf unserem Camping an. Viel Zeit zum ausruhen blieb uns da ja nicht. Am naechsten Tag wollten wir vor der grossen Hitze am Tagesziel ankommen.

Hunde zum Zweiten

Vor einiger Zeit haben wir unsere Erfahrung mit Hunden als ganz glimpflich beschrieben. Das hat sich inzwischen geaendert. Gestern mussten wir einen hinterhaeltigen Angriff von drei zaehnefletschenden Hunden abwehren. Auf einer schlechten Schotterstrasse traten wir mit voller Kraft in die Pedalen um den Biestern davonzukommen. Instinktiv begannen wir beide einfach einen riesigen Krach zu veranstalten. Wir schrien, schimpften und (ja sogar) bellten was wir nur rausbrachten. Und siehe da - die Koeter bekamen schiss und blieben stehen. Als sich dann die schlotterigen Knie wieder etwas stabilisiert hatten, lachten wir natuerlich ueber diese komische Szene, die wir da geliefert hatten. Heute, das gleiche von vorne, wir haben die Hunde nicht schlecht im Griff;-).