Glück und Unglück in Patagonien

"Pausentag": auf den Gipfel Piltriquitron (2359)

Dass wir uns genau an einem eigentlichen Pausentag den bisher groessten Muskelkater holen wuerden, war eigentlich nicht unser Plan. Aber dieser Gipfel Piltriquitron war kein Sonntagsspaziergang. Die Aussicht war zwar beeindruckend, aber wegen der Kaelte konnten wir nicht lange auf dem Gipfel bleiben. Wir waren ja auch nur mit den Velohosen unterwegs - Thermounterwaesche und eine gute Wanderhose waere da passender gewesen... Auf dem Abstieg haben wir zwei kurlige Argentinier getroffen, mit denen wir den Rest vom Tag verbrachten. Wir haben ein paar Stunden fast pausenlos gelacht und hoffen, Marcos und Martin weiter im Sueden von Patagonien wieder zu treffen.

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Parque National de los Alerces

Die Tage auf glattem Asphalt sind gezaehlt. Fuer die naechsten paar hundert Kilometer werden unsere Gelenke und Hintern den Naturstrassen trotzen muessen. Der Weg bis zum Parque National de los Alerces hat uns viel Kraft gekostet. Bei dieser tiefen Schotterstrasse mit viel Gegenwind haben wir abwechslungsweise laute Flueche ausgestossen. Wir wollten aber einfach noch den See beim Parkeingang erreichen. Umso schoener war das verdiente Bad im glasklaren Wasser des Lago Rivadavia.

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Der Park mit seinen vielen Seen mit dem Velo zu durchqueren war schoen. In Trevelin, einem kleinen Ort nach dem Park, machten wir es uns in einem Hostel gemuetlich. Eigentlich wollten wir frueh am Morgen weiter, aber ein kurzer Blick aus dem Fenster und das Wort "Wind" zum halb-schlafenden Tobias genuegte, dass wir liegen blieben und den Rest des Tages in der Polstergruppe, Haengematte oder schlemmernd in der Konditorei verbrachten.

Grenzuebergang nach Chile:

Tatsaechlich schafften wir es ohne viel Gegenwind frueh am Morgen nach Chile zu fahren. Hier hatten wir nicht viel Hoehenmeter zu ueberwinden, die Anden sind flaecher geworden im Sueden. Auf der chilenischen Seite konnten wir eine Abfahrt entlang dem Rio Futalefu (bekannt fuer Raftings) geniessen. Nach einer weiteren schoenen Campingnacht gings dann Richtung Carretera Austral.

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Carretera Austral: eine unfreundliche Begruessung

Nun sind wir also eingebogen auf die Carretera Austral, eine von Pinochet v.a. als Statussymbol gebaute Naturstrasse, die wir ca. 1000km in den Sueden bis zum Ende fahren werden. 10 Jahre hat der Bau dieser Strasse durch die absolute Abgeschiedenheit von Patagonien gedauert und mehr als 300 Mio. Dollar verschlungen. Die Sanierungsarbeiten sind aber noch um einiges aufwendiger - aehnelt diese Strasse doch der alten verloecherten Gartenstrasse, wie sie einst zum Hause Hutter gefuehrt hat. Und da waere noch das rauhe Klima, dass wir fast schon vom ersten Meter an von der schlechtesten Seite zu spueren bekamen.

Es begann stark zu regnen und es blieb uns nichts anderes ueberig als fast 4h im stroemenden Regen weiter zu fahren, bis das naechste Dorf kam. Eine Nacht im Zelt wollten wir uns bei diesem Sauwetter ersparen.

Vorbei sind die Schlechtwettertage, an denen wir eine Pause einlegen. Wir waeren sonst die letzten 4 Tage keinen Meter weit gekommen. Bei stroemendem Regen und gut eingepackt gings los am naechsten Morgen. Doch wir kamen nicht weit, schon wurden wir gestoppt: Baustelle - fuer die naechsten 3h geschlossen! Einen Kaffee, ein Stueck Torte, Empanadas und ein Mittagessen spaeter passierten wir die Baustelle in einem Pickup. Von Puyuhuapi aus gings dann aber auf dem Velo weiter. Das Ziel war wieder das naechste Dorf - harte 100 km weiter suedlich. Dazu kam ein saftiger und langer Aufstieg, Wind von allen Seiten und literweise Regen Regen Regen! Von der Landschaft sahen wir ja nicht viel, nur dass es neben uns Berge hatte und von jedem stuerzten ein paar Wasserfaelle ins Tal, manche auch direkt auf die Strasse. Die Strasse war manchmal eher ein Bach, als ein Weg. Wir mussten Wasserloecher durchqueren, so tief, dass die Fuesse beim Treten im Wasser waren und die Gepaeckstaschen natuerlich auch. Nach ein paar Stunden in diesem Wetter waren fertig und als ich vor uns ein paar Haeuschen auftauchen sah, musste ich wirklich nochmals die Augen zudruecken und schauen ob's wirklich stimmt.

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Am naechsten Morgen das gleiche Elend von Vorne. Der Regen hat pausenlos die ganze Nacht aufs Dach gehhaemmert. Da braut sich schon eine Wut im Bauch zusammen und die Lust aufs Velo zu steigen war nicht gerade gross. Immerhin war das naechste Dorf (naja, die naechste Haeusersiedlung) "nur" 60km entfernt. Zuerst mussten die Velos aber noch in Schuss gebracht werden. Die leiden bei diesem Wetter fast noch mehr als wir. Die Bremsen waren durchgefeilt und mit Schrecken mussten wir feststellen, dass es den vorderen Gepaeckstraeger von Tobias erwischt hat. Durch das Geruettel sind die Schraubenhalterungen gebrochen. Mit ein paar Kabelbinder hat er's so gut es ging repariert.

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Zu unserem Erstaunen entdeckten wir am vierten Tag auf der Carretera Austral einen blauen Fleck am Himmel! Der Regen hoerte endlich auf, die Wolken verzogen sich und wir zogen unsere feucht-mueffeligen Schlechtwetterkleider aus. Endlich sahen wir auch, in was fuer einer spektakulaere Landschaft wir uns eigentlich befanden. Berge und Wasserfaelle um uns herum, Gletscher auf den Spitzen und kein einziges Haus. Wir hoffen, dass wr jetzt in die Schoenwetterphase kommen.