Carretera Austral bis zum bitteren Ende

grafik

Wir sind angekommen am Ende der Carretera Austral - puenklich, wie richtige Schweizer um die Faehre noch rechtzeitig zu erwischen. Die Koenigsetappe haben wir hiermit erfolgreich gemeistert. Eine kleine Ueberraschung als wir im 500 Einwohnerdorf ankamen: Die Faehre geht einen Tag spaeter. Ob das am Wind oder einfach an der Laune des Kapitaens liegt, wissen wir nicht. Einen Pausentag, an dem wir nicht mal in die Versuchung kommen, etwas zu tun, koennen wir aber sowieso gut brauchen.

grafik

Nach der anstrengenden Zeit auf der Carretera Austral sind unsere Beine etwas muede und langsam reklamiert der Koerper. Tobias hat sich einen Nerv eingeklemmt am Ruecken und musste die letzten 3 Tage tapfer in einer unbequemen Schieflage auf dem Fahrrad zuruecklegen. Bei mir zu spinnts in der Hand, aber nur am Morgen. Nach all den Campingnaechten draussen in jedem Wetter, sind wir auch froh, wieder einmal sicher trockene und warme Fuesse zu behalten in einer gemuetlichen Unterkunft. Das Dorf Villa O'Higgins ist von der Aussenwelt ziemlich isoliert und schon fast gespenstisch ruhig. Aber jetzt erstmals etwas zu den Erlebnissen der letzten Tage:

Schoenwetterphase auf der Carretera

Nach dem grossen Regen kam endlich die Sonne wieder und die Landschaft von Patagonien zeigte sich von seiner schoensten Seite. Wir kamen zum Teil fast nicht mehr aus dem Staunen heraus - so eindruecklich praesentierten sich die Gebirgskaemme mit den saftig gruenen Waeldern.

grafik grafik

grafik

Wo’s gruen ist, muss es aber leider auch ab und zu auch regnen. Die Regenkleider durften wir nicht weit weg packen und Pausen ergaben sich haeufig wegen dem Wetter (Regenzeugs anziehen, Regenzeugs ausziehen, anziehen, ausziehen, an-, aus...). Je suedlicher wir auf der Carretera kamen, umso naeher konnten wir die Gletscher “Hielo del Norte” und “Hielo del Sur” bestaunen. Auch die Naechte im Zelt werden allmaehlich kuehler und wir mussten unser Gepaeck um eine Wolldecke aufstocken.

grafik

Jetzt aber der Reihe nach: In Coihaique, der letzten groesseren Stadt haben wir uns fuer die naechsten Tage im Niemandsland eingedeckt: Essen, guten Kaffee, Kleider waschen... Fast haetten wir auch noch eine Mitfahrerin bekommen, aber sie kam dann leider nicht bis zu den Pedalen.

grafik grafik

Dann gings fuer 7 Tage durch noch duenner besiedelte Gebiete. Wir waren mit reichlich Vorrat unterwegs, um die Zeltnaechte so richtig geniessen zu koennen. In Puerto Tranquillo machten wir als Mittagspause einen schoenen Bootsausflug zu Gesteinsformationen am Seeufer. Die Carretera fuehrte haeufig am See entlang, ueber unzaehlige Baeche und das immer auf und ab. An einem Tag (nach Cochrane) hatten wir einige lange und steile Steigungen zu ueberwinden, bis ich die Orientierung voellig verlor.

grafik grafik

grafik grafik

Die Tuecken des Wild-Campierens

Fuer eine moeglichst gemuetliche Campingnacht musste unser Plaetzchen den folgenden Kriterien genuegen: Wingeschuetzt soll es sein, Wasser muss es in der Naehe haben, ein lauschiges Plaetzchen fuer ein Feuer und eine schoene Aussicht.

grafik

Was so einfach toent, kann aber sogar hier zu einer Herausforderung werden. Was wenn nach 100 km die Beine nicht mehr moegen und weit und breit kein Wasser zu finden ist? (Loesung: nicht Waschen). Einmal hatten wir den idealen Platz an einem Fluss gefunden. Da aber alles eingezaeunt war, fuhren wir ein Stueckchen zurueck um den Bauer um Erlaubnis zu fragen. Er winkte uns sofort zu sich und freute sich sehr ueber Gesellschaft. Kein Wunder, er wohnt so abgelegen alleine auf seinen 5000 ha. Waehrend wir unser Gepaeck abluden, verschwand er im Stall und “ZackZack” hatte er ca 3kg Schaffleisch in den Holzofen gepackt. Wir verbrachten stundenweise in seiner kleinen Kueche und er erzaehlte uns von seinem Leben. Da er so abgelegen wohnt, ernaehrt er sich einfach von dem was er hat: Fleisch... Im Winter esse er 3 Kuehe im Sommer Schafe. Wie viele wisse er nicht genau, vielleicht 10, vielleicht 15. Auf jeden Fall war es eine interessante Begegnung und wir waren auch froh, dass wir unser Zelt in seinen vier Waenden aufstellen durften. Es wurde naehmlich bitter kalt.

grafik grafik

Am naechsten Abend glaubten wir schon, den perfekten Platz fuer den Abend gefunden zu haben. Wir sassen so gemuetlich am Feuer bei einem Fluss, die Baeuche gefuellt mit Pasta und Wuerstchen, frischer Brotteig am Stecken ueber dem Feuer, da mussten wir schon um 19 in’s Zelt fluechten, sonst haetten uns die Muecken ganz gefressen. Dazu kam stroemender Regen die ganze Nacht und alle Muecken fanden zwischen Innen- und Aussenzelt zuflucht. Am Morgen war die Zeltdecke (zum Glueck aussen) schwarz vor lauter Muecken und wir mussten “auf-die-Plaetze-fertig-los” aus dem Zelt springen, direkt in den stroemenden Regen. Kein guter Start in den Tag, wenn man so seine 7 Sachen zusammenpacken muss.

Im Allgemeinen geniessen wir aber die Ruhe im Dickicht mit unserem kleine Zelt.