Hasta el fin del mundo

Planaenderung Da Tobias noch immer nicht 100%ig fit ist, entschlossen wir uns, mit Wolfgang zusammen den Bus bis nach Puerto Natales zu nehmen. Was sonst fuer uns 2-3 Radeltage bedeutet haette, legten wir mit dem Bus gemuetlich in ein paar Stunden zurueck. Irgendwie war uns die Luft im Bus aber zu dick und wir freuten uns schon alle, am naechsten Tag endlich wieder aufs Fahrrad zu steigen. Tobias paeppelten wir noch gesund und so gings von Puerto Natales bis Punta Arenas mit etwas Rueckenwind weiter durch die Steppe. Hier gab es immer wieder Strausse, Adler, Guanacos (eine Art Lamas) und Flamingos zu sehen und unendlich viele Schafe.

grafik grafik

grafik grafik

grafik grafik

Nach 135 km mochten wir nicht mehr weiter und kragselten mit unseren Fahrraedern ueber einen Zaun, wo wir die Zelte zwischen Zwergbuchen aufschlugen. Zwar regenete es in der Nacht, aber am Morgen zeigte sich wieder blauer Himmel mit Sonne. Wie wir spaeter in der Zeitung lesen konnten, waren das fuer diese Region mit 25 Grad die waermsten Tage, die es je gab (seit Temperaturmessung 1888)! So fuhren wir mit kurzen Hosen und T-shirts in diesen suedlichen Breitengraden durch die Gegend. Punta Arenas war inzwischen auch nicht mehr unser Endziel, sondern Zwischenziel um die Pinguinkolonie zu besuchen. Wir haetten stundenweise diesen kurligen Tieren auf der Insel zuschauen koennen. Bis zu 130'000 Magellan-Pinguine leben auf der Insel und mitten durch fuehrt ein Pfad, von welchem aus man sie beobachten kann. Man muss aber schon aufpassen, dass man nicht ausversehen mal auf einen tritt. Weiter ging's mit dem Boot noch zu einer Insel mit Cormoranen, Seeloewen und Albatrosse.

grafik grafik

grafik

Den letzten Abend mit Wolfgang, 12 Tage reisten wir jetzt schon zusammen, genossen wir nochmals so richtig mit Pisco Sour, gutem Fisch und Wein. Fuer Wolfgang ging's zurueck nach Deutschland und fuer uns zum neuen Ziel - naemlich bis zum Ende der Strasse im Sueden: Ushuaia!

grafik

Feuerland - Tierra de Fuego

grafik

Mit der Faehre ging's ueber die Magellanstrasse nach Feuerland. Auf den letzten Metern begleiteten uns noch Delfine. Von Feuerland hatten wir schon vieles gehoert, aber eines war immer das Hauptthema: WIND, WIND, starker WIND. Naja, wir freuten uns darauf, denn ein grosser Teil der Strecke wuerden wir mit dem Wind im Ruecken zuruecklegen. Also legte die Faehre an, wir stiegen aus und ... kein bisschen Wind. Das war wohl der einzige Tag im Jahr - schoen bloed. Dafuer gabs immer wieder leichten Regen und die Naturstrasse war weich und anstrengend.

grafik

Nach 50 km fuhren wir an einer der seltenen Estancias (Schafzucht) vorbei und wollten fragen, ob wir unter einem Dach das Zelt aufschlagen koennen. Sie stellten uns aber gleich ein ganzes Haeuschen zur Verfuegung. Dort leben sonst die Schafscherer, die waehrend 1 Monat im Jahr beschaeftigt sind mit den 3500 Schafen. Wir waren sehr froh um den Wind- und Regenschutz. Ausserdem konnten wir mit einem Feuer am Holzherd auch die Temperatur einigermassen im gruenen Bereich halten. Die ganze Estancia wurde uns gezeigt und am Abend wurden wir zu einem guten Essen eingeladen - natuerlich mit Schafsfleisch (Leberli).

grafik grafik

grafik

Am Morgen ging ein starker Wind - dachten wir - der Hausherr schaute aus dem Fenster und meinte: "heute habt ihr Glueck, es windet gar nicht". Hm, er war sich wohl noch anderes gewoehnt als ein laecherliches Lueftchen von 50-80 km/h. Fuer uns reichte es um mit einem flotten Tempo auf der Kiesstrasse voranzukommen. Die Landschaft ist hier sehr speziell - vom Wind zerzaust. Alles sieht rauh aus und zwischen den sehr weit auseinanderliegenden Ortschaften (meist 100 - 200 km) gibt es nichts ausser ein paar Estancias. Die Schafzucht ist hier der einzige Industriezweig. Bis zu 40'000 Schafe hat es auf einer Estancia.

grafik grafik

Ueber die Grenze nach Argentinien hat's uns buchstaeblich gewindet. Dann drehte die Strasse aber etwas nach Sueden ab und in Schraeglage legten wir die restlichen km bis Rio Grande zurueck. Dieser Seitenwind hat mich so viel Kraft und Konzentration gekostet, dass fuer diesen Abend nur noch Fernsehschauen drinlag. Von jetzt an hatten wir aber Glueck und der Wind war nicht mehr so stark bis fast ans Ziel. Dort kaempften wir dann noch die letzten paar km gegen den Wind, aber waer ja nicht passend, wenn wir in Ushuaia ohne Schweisstropfen auf der Strin eingefahren waeren.

grafik grafik

Am letzten Tag bei km 30 kam von meinem Vorderrad ein Klappern. Naja, so schlimm wird das nicht sein, jetzt wollten wir durchziehen. Bei km 95 machten wir am Stassenrand noch einen letzten Kartoffelstock. Schon zehn km spaeter konnten wir den Beagle-Kanal sehen. Als dann das Schild auftauchte beim Stadteingang: "Welcome to Ushuaia" wusste ich gar nicht, ob ich jetzt weinen oder lachen soll. Da kam alles miteinander, wir waren ueberwaeltigt. Nach ein paar Fotos liesen wir's gemuetlich in die Stadt ausrollen. Fast mitten in der Stadt wurde dann aber das Kleppern am Vorderrad richtig laut. Ich hielt an, und wir staunten nicht schlecht: ein uebler Felgenbruch - die war total am Ende. Das war wie ein kleines Wunder, das dies genau auf dem letzten Kilometer passierte. Wahrscheinlich eine thelepatische Verbindung zwischen mir und dem Fahrrad: "Bis hier und nicht weiter". Das Vorderrad bleibt in Ushuaia...

grafik